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Geschichte

 

„... Ferner werden Sie schwören, die Ihnen anvertrauten Amtsgeschäfte nach Ihrer Überzeugung mit Gründlichkeit, Gewissenhaftigkeit und tunlicher Beschleunigung zu behandeln ... , den Armen wie den Reichen ohne Unterschied des Standes gleiches unparteiisches Recht zu erteilen ... und das Amtsgeheimnis treu zu bewahren."
Diensteid eines steirischen Bezirkshauptmannes anno 1868

 

Bereits in der Römerzeit war in der Region Leibnitz mit dem Munizipium Flavia-Solva - neben Cilli (Celeia) und Pettau (Poetovio) -ein verwaltungsmäßiger Mittelpunkt eingerichtet. Im Mittelalter war ein salzburgisches Verwaltungszentrum angesiedelt.

Der Liberalismus und die Revolution des Jahres 1848 stürzten nicht nur die alte Ordnung der ständischen Grundherrschaft, sondern schufen auch in der Steiermark neue Formen der politischen Ordnung.

Mit 17. September 1849 wurde die neue politische Organisationsform öffentlich kundgemacht. Drei Kreisregierungen, nämlich Graz, Bruck a.d.M. und Marburg wurden eingerichtet. Zum Grazer Kreis mit 22 Gerichtsbezirken und sieben politischen Bezirken zählte auch Leibnitz mit den zugewiesenen Gerichtsbezirken Leibnitz, Wildon und Arnfels. In der Steiermark gab es neben den 19 politischen Bezirken noch elf "exponierte Bezirkskommissariate", Vorläufer der heutigen politischen Exposituren.
Den politischen Bezirken standen Bezirkshauptleute vor.

Am 20. Jänner 1850 traten die Statthalterei und am 1. Februar 1850 die Kreisregierungen und die Bezirkshauptmannschaften in Tätigkeit. Zugleich wurden neue Steuerämter, die sich mit den Gerichtsbezirken deckten, geschaffen. Die Bezirkshauptmannschaften waren die politischen Behörden 1. Instanz, die Kreisregierungen die der 2. Instanz. Diese vielversprechende Neuordnung wurde jedoch im Jänner 1853 durch eine landesfürstliche Verordnung aufgehoben, welche die Verwaltungsstruktur entscheidend änderte.

Verwaltung und Gerichtsangelegenheiten wurden nämlich -mit wenigen Ausnahmen - den Bezirksämtern am Sitze der Bezirksgerichte überantwortet. Die drei Kreisbehörden in der Steiermark wurden mit Wirksamkeit vom 30. April 1860 aufgehoben. Ihre Agenden gingen zum Teil auf die Statthalterei, zum Teil auf die Bezirkshauptmannschaften über, wodurch diese in ihrem Wirkungsbereich erweitert und damit aufgewertet wurden.

Nach Tendenzen der Rückkehr zum Absolutismus brachte die Dezemberverfassung 1867 eine bis zum Zusammenbruch der Monarchie endgültige Regelung öffentlicher Belange. Die politische Verwaltung wurde von der Justiz und Rechtspflege getrennt. An die Spitze der Amtsbezirke traten vom Innenminister ernannte Bezirkshauptleute. Die neuen Behörden begannen ihre Amtswirksamkeit mit 31. August 1868 und deckten sich gebietsweise zum größten Teil mit den 1849 errichteten Bezirkshauptmannschaften. Auch in Leibnitz amtierte ab 31. August 1868 ein Bezirkshauptmann. Die damals ernannten Bezirkshauptleute kamen durchwegs aus der Verwaltung.

Ein markantes Ereignis in der Geschichte der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz trat durch den Friedensvertrag von St. Germain-en-Laye vom 10. September 1919 ein, wonach die neue Grenze vom Hühnerkogel über Punkt 1330 bis St. Lorenzen gezogen wurde. Östlich der Höhe 1330 wurde die Wasserscheide zwischen der südlich fließenden Drau und dem Entwässerungsgebiet der Saggau bis zum Treffpunkt der politischen Bezirke Leibnitz und Marburg, im Nordosten die Mur neue Bezirks- bzw. Staatsgrenze. An die Bezirkshauptmannschaft Leibnitz fielen Teile der Katastralgemeinde St. Egydi in den Windischbüheln, der Katastralgemeinden Graßnitz, Witschein, Sulztal, Langegg u. a. m.

Mit 1. Juni 1932 wurde die bisherige Bezirkshauptmannschaft Radkersburg aufgelöst und dort eine politische Expositur der Bezirkshauptmannschaft Leibnitz errichtet. Nach dem "Anschluss" wurde Radkersburg im Oktober 1938 selbständiger Landkreis. Nach dem Zweiten Weltkrieg mussten die Bezirksgrenzen wieder neu festgelegt werden.

Die aktuellen Bezirksgrenzen haben sich ab 01.01.2015 durch die Gemeindestrukturreform in der Steiermark ergeben.